Warum die Lindenstraße bleiben muss !

Wir sind der Meinung, dass die Lindenstraße nicht nur an ihrem Unterhaltungswert und ihrer Einschaltquote gemessen werden kann, sondern berücksichtigt werden muss, dass sie noch immer zentrale Aufgaben der bundesdeutschen Sozialisation übernimmt. Sie benennt wie keine andere deutsche Unterhaltungssendung soziale und gesellschaftliche Probleme in Deutschland und zeigt gleichzeitig einen konstruktiven Umgang damit auf. Somit bietet sie für viele Menschen nicht nur moralische Orientierung, sondern informiert ganz konkret über gesellschaftliche Missstände und deren Konsequenzen. Aktuell lassen sich z.B. die Situation des jungen Transsexuellen Sunny Zöllig, der spürbare Rechtsruck in unserer Gesellschaft, der Umgang mit dem Regime Erdogan, das Coming Out eines homosexuellen Teenagers im Jahr 2018 (im Vergleich zum Coming Out einer Serienfigur 1988) oder auch die politische Situation von Flüchtlingen als Beispiele für Themen benennen, die die Serie brandaktuell aufgreift und verarbeitet.  

Die Lindenstraße ist deutsches Kulturgut und darf nicht aus dem Programm genommen werden!

Wir wollen bei den Verantwortlichen ein Umdenken erreichen, indem wir beweisen, dass weiterhin eine Vielzahl von Menschen in Deutschland hinter der Serie steht und die Ausstrahlung dieses Programms für notwendig erachtet. Jegliche Argumentation des Senders ist inhaltlich falsch und vorgeschoben. Ein hochgehaltener Sparzwang lässt sich aktuell nur in der Produktion Lindenstraße spürbar feststellen. Andere Fernsehsendungen der ARD werden bei ähnlicher Quote wie bei der Lindenstraße weiterhin finanziell unterstützt und gefördert. Im Vergleich zu Investitionen anderer Programme halten sich auch die laufenden Kosten pro Folge aktuell durchaus in einem finanzierbaren Rahmen

Gleichzeitig muss der Sender erkennen, dass er bereits in den letzten Jahren enorm den Rotstift angesetzt und dadurch sowohl eine Veränderung der Qualität, als auch durch ständige Ausfälle oder sogar Sendepausen im Jahr selbst verschuldete, so dass Zuschauer wegbrachen. Eine Sendung wie die Lindenstraße lebt nun mal von Kontinuität und Beständigkeit.

Die seit 1985 angeblich regelmäßig sinkende Quote ist nicht zuletzt einer Veränderung der deutschen Fernsehlandschaft geschuldet (mehr Programmauswahl, Neuorientierung an Bezahlfernsehsendern, Einbindung der Programme in das Internet, in Mediatheken und YouTube, deren Zugriffe nicht in die Quote miteinbezogen werden, etc.). Die Lindenstraße fährt weiterhin eine stabile Quote zwischen 2 und 2,5 Millionen Zuschauern pro Sendung ein und ist zudem laut Quotenmesser häufig unter den 10 meist gesehenen Sendungen des Tages zu finden. Somit ist sie mit ihrer aktuellen Quote durchaus auf einem Level, mit dem sie in Anbetracht der Sendezeit und des Tages durchaus mit anderen Serien immer noch mithalten kann

Es ist an der Zeit, dass das Fernsehen endlich zeitnah von der herkömmlichen Art und Weise der Quotenermittlung abkommt und angepasst an den technischen Fortschritt eine Möglichkeit findet, die Zuschauerzahlen einer Sendung umfänglicher und realistischer zu ermitteln. Obwohl man sich der Rückständigkeit und Ungenauigkeit der Quotenermittlung bei den Sendern bewusst sein müsste, schiebt man noch immer ungenau ermittelte Daten des Fernsehverhaltens einiger weniger Test-Zuschauer als Berechtigungsgrundlage vor, über den Verbleib einer deutschen Fernsehsendung zu entscheiden, die neben Programmen wie der Tagesschau, den Tagesthemen, der Sportschau oder dem Tatort inzwischen doch längst zum deutschen Kulturgut gehört.

Ebenfalls darf man sich nicht wundern, dass ein Programm, das zu keiner Zeit durch Trailer beworben wird, wenig neue Zuschauer gewinnt. Hier hätte die Produktion seit Jahren mehr Unterstützung erfahren müssen